Suchst du ein Thema für dein neues Erasmus-Projekt? Weißt du, wie es ist, in einem Gefängnis zu leben?

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Suchst du ein Thema für dein neues Erasmus-Projekt? Weißt du, wie es ist, in einem Gefängnis zu leben? ¿Buscas un tema para tu nuevo proyecto Erasmus? ¿Sabes lo que es vivir en una prisión?

Reflexionen über einen bewegenden Besuch in den Justizvollzugsanstalten von Matosinhos und Santa Cruz in Portugal

Erasmus Prison Project Header Image
Absatz 1

Es war ein außergewöhnlicherdiferente Nachmittag. 'María' weinte lautlos. Ich konnte ihr Schluchzensollozando zwischen dem Klatschen, dem Gesang und der allgegenwärtigen Schwermut vernehmen. Meine Beine flehten mich seit mehreren Stunden an, mich zu setzen. José, wahrhaft groß unter den Großen, hatte die Not bereits bemerkt. Er erspähte einen leerenvacía Stuhl mitten im Auditoriumauditorio, in dem sich nach meiner Schätzung an die 150 Insassinnen jener Haftanstalt von Matosinhos versammelt hatten.

Absatz 2

Manuel beobachtete vom hinteren Ende des Saals jene Schattensombras, die die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden fesselten – zwei Silhouetten, fähig, jede lebende Seele zu erschüttern. Eine etwa dreißigjährige Insassin, heiter und entschlossen, sang einen herzzerreißenden Fadofado portugués mit einer Stimme, die dem Aufblitzen einer bebenden Artillerie glich. An ihrer Seite begleitete ein renommierter portugiesischer Gitarrist, der mich an einen gealterten Joaquín Sabina erinnerte, jene Verse mit seiner Klagelamento. Fado und Klage.

Absatz 3

Das Frauengefängniscárcel de mujeres, das wir im Rahmen unserer Erasmus+-Mobilität besuchten, glich phasenweise in keiner Weise der vorgefassten Vorstellung, die man von einer Justizvollzugsanstalt hegt. Seine Architektur, Sauberkeitlimpieza und Anordnung erinnerten vielmehr an ein modernes Krankenhaus oder ein Kongresszentrum – beides gleichermaßen entpersonalisiertdespersonalizados. Doch abgesehen von den feuchten, moosgrünen Mauern, durchnässt vom Regen zahlloser Tage und gekrönt von Stacheldrahtkronenconcertinas, als stammten sie direkt von der Somme-Front, wirkte jener Ort keineswegs wie eine Haftanstaltcentro de reclusión für Frauen; oder zumindest hatte er nichts gemein mit dem Männergefängnis, das wir zwei Tage zuvor in Matosinhos besucht hatten, um der dortigen Erwachsenenbildung beizuwohnen. Jenes Gebäude war alt, zerrissen, unerbittlich und schmerzerfüllt vom unaufhaltsamen Verstreichen der Jahre.

Justizvollzugsanstalt Matosinhos
Absatz 4

Die Schatten warfen sich an die Wand im Hintergrund der Bühne, imposant wie die beiden wahren Lichtgestalten jenes Raumes. Es war unmöglich, den Blick von ihnen abzuwenden, schlicht unmöglich. Die weinende Insassin, wohl fünfunddreißig oder vierzig Jahre alt, stimmte die Klagelautequejidos ihrer Seele auf die Gesänge der anderen Gefangenen ab. Der Fado erzählte die Geschichte einer verlorenen Familiefamilia perdida, einer fernen Mutter, verflogenen Glücks. Die Gitarre verlieh dem empfundenen Schmerz Nachdruck – Note für Note, Herzschlag für Herzschlag.

Absatz 5

In einem Winkel des abgedunkelten Saales stillte eine sehr junge Insassinreclusa / interna, kaum dreiundzwanzig oder vierundzwanzig Jahre alt, ihren Säugling, der erst wenige Schreie des Lebens vernommen hatte – wahrhaft wenige. Andere begleiteten die Protagonistinnen, sangen, tanzten und riefen fast so etwas wie ein ‚Wunderschön!‘ oder ‚Bravo!‘ aus; und obschon ich die exakten Worte nicht verstand, so erfasste ich doch ihren vollen Sinnsentido.

Im Gefängnis
Foto von @mmolpor
Absatz 6

Die Schatten blieben unerschüttert dort und prägten das Geschehen. Es war Freitag. Das Gefängnis atmete Gesang aus allen vier Mauernmuros. Die Wärterinnen wachten mit einer gewissen Nervosität über den reibungslosen Ablauf der Darbietung, die sich bis fünf oder halb sechs Uhr nachmittags hinzog. Gedichtepoesías, Erzählungen und weitere Lieder zogen zwei intensive Stunden lang vorüber, allesamt dargeboten von Insassinnen unterschiedlichsten Alters.

Absatz 7

Am Vortag, einem Donnerstag von entfesseltem Regen, hatten mein Kollege Manuel und ich jener Anstalt unseren ersten Besuch abgestattet. Die Herzlichkeit unserer Gastgeber wird uns für immer unvergesslich bleiben; denn von dem Augenblick an, als wir den Sicherheitsbogen durchschritten und die Wachbeamten jeden Zoll unseres Körpers und unserer Habseligkeiten durchsuchten, fühlten wir uns als Teil einer großen Familie: der Familie von Pilar, Juan Manuel, José Marques, Isabel, Marcela und so vielen anderen, die so viel Zeit und unermüdliche Mühenesfuerzos darauf verwenden, Männern und Frauen neue Wege zu eröffnen, die an einem unseligen Tag die Orientierung im Leben verloren hatten. Nun blicken sie auf den Regen, das Wiedererwachen der Blüten, ihren August und das leise Fallen des Schnees von einer grauen, kalten Betonbank herab – all dies überragt von schweren, verrosteten schwarzen Gitternrejas negras oxidadas.

Absatz 8

Die Erfahrung, unser Erasmus+-Projekt zur Verbesserung des Unterrichts in Justizvollzugsanstalten vor einer Gruppe weiblicher Häftlinge eines fremden Landes zu präsentieren, wird unauslöschlich bleiben. Es geschah völlig unverhofftde sopetón, da es so nicht geplant war. Wir machten uns sogleich ans Werk und sprachen eine Stunde lang über Jaén, unsere Heimat, unsere Kultur. Unser tiefes Verlangen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, von ihnen zu lernen und ihnen aufmerksam zuzuhören, war mit Händen zu greifen – um zu verstehen, was der Unterricht hinter Gittern wahrhaftig vermitteln muss.

Insassinnen des portugiesischen Gefängnisses Santa Cruz
Insassinnen des portugiesischen Gefängnisses Santa Cruz.
Absatz 9

Wir durften mehreren Unterrichtsstunden beiwohnen, wie es das mit akribischer Sorgfalt und Hingabedenuedo ausgearbeitete Besuchsprogramm vorsah – sowohl im bedrückenden Männergefängnis als auch in der menschlicheren Frauenanstalt. Ich entsinne mich keines einzigen traurigen Gesichts – nicht eines – unter den Lehrkräften; denn sie waren allesamt Frauen mit einem beachtlich langen Lebenswerk im Dienste dieser Schülerschaft. Wir sprachen mit vielen von ihnen, und in allen war die tiefe Bewunderungadmiración spürbar, die sie für ihre Lehrerinnen empfanden. Eine der Insassinnen überreichte uns ein überraschendes Geschenk: ein Exemplar der Zeitschrift, die sie hinter den Gefängnismauern selbst verfassen.

Gefängnisunterricht und Magazin
Foto von @mmolpor
Absatz 10

Begleitet wurden wir von Isabel – mit riesigen blauen Augen, voller Lebensenergie, vierundsechzig Jahre alt und mit mehr als vierzig Jahren Berufserfahrungcarrera profesional. Isabel schilderte uns, wie sie vor vielen Jahren diese Arbeit entdeckte, die ihr unzählige Erfüllungen schenkt, und wie sie sich schwor, sie niemals aufzugeben. Ihre Schüler, schon betagt – wenngleich die herben Umstände, die die Haft in die Seele brennt, ihr Haar vielleicht vor der Zeit ergrauen ließen –, berichteten uns voller Freude und mit einem leisen Anflug von Rührung, dass der schwerste Moment des Tages derjenige sei, an dem der Unterricht mit ihrer Lehrerin Isabel und ihren wunderbaren Kolleginnen ende. Unweigerlich mussten sie dann in die Einsamkeitsoledad ihrer Zellen zurückkehren.

Absatz 11

Jene Schatten verweilen lebendig in meinem Gedächtnis. Eines nahen Tages mögen sie zwischen verblassenden Erinnerungenrecuerdos entschwinden, als eine von vielen; doch jene tiefgreifende Erfahrung in jener Anstalt an jenem Novembernachmittag, umfangen von der Härte des menschlichen Daseins, möge mich stets daran erinnern, wie begünstigt all jene von uns sind, die dank der Bildung, die wir genießen durften, dem Unglückdesdicha entgangen sind, in einer einsamen Zelle schlafen zu müssen.

Absatz 12

Wer wagt zu behaupten, man dürfe nicht noch mehr Ressourcenrecursos investieren, um Strafgefangenen die bestmögliche Bildung zuteilwerden zu lassen?

Manuel Molina

Erasmus+-Projektkoordinator & Pädagoge

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Elena Rodríguez Vor wenigen Minuten

Ein zutiefst bewegender Bericht. Bildung verändert tatsächlich Leben hinter Gittern. Vielen Dank, Manuel, für diese eindrucksvolle Perspektive!

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